Jahresbericht 2018 der Universität München

Wie wurden die Forschungsgelder vom Gänseblümchen Verein eingesetzt?

Titel des Projekts
Diagnostik und Therapie von Lebertumoren des Kindesalters

Projektleiter
Prof. Dr. Roland Kappler, Kinderchirurgische Klinik München

Hintergrund zum Projekt

Das Hepatoblastom ist der häufigste bösartige Lebertumor des Kleinkindesalters. Obgleich mittlerweile die meisten Patienten durch eine Kombination aus Chemotherapie und Operation geheilt werden können, gibt es immer wieder Fälle, die sich insbesondere durch ein Nichtansprechen auf Chemotherapie oder durch schwer zu operierende Fernabsiedlungen einer erfolgreichen Therapie entziehen. Unsere Klinik beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren unter der Federführung von Herrn Professor von Schweinitz intensiv mit der Verbesserung der Behandlung von Patienten mit einem Hepatoblastom. Um die Heilungschancen dieser Patienten zu erhöhen, setzt unsere Forschung zum einen auf die Entdeckung sog. Biomarker in den Tumoren, die eine risikoangepasste Behandlung der Patienten ermöglichen, zum anderen wollen wir neue Wirkstoffe etablieren, die zukünftig eine verbesserte Therapie erlauben.

Weiterentwicklung des Projektes in 2018

Im Jahr 2018 haben wir wieder verstärkt an der Erforschung des Erbguts von Patienten mit Hepatoblastom gearbeitet. Bislang weiß man, dass diese Tumoren meist durch eine Veränderung im Gen CTNNB1 verursacht werden. So liegt bei 80% aller Patienten eine solche Mutation vor. Obgleich die Tumoren also genetisch gleich zu sein scheinen, gibt es doch große Unterschiede im klinischen Verlauf dieser Patienten. Ob der Tumor auf Chemotherapie anspricht, oder ob er nach einer bestimmten Zeit als Rezidiv wiederkommt, kann also durch diese häufig vorkommende Veränderung nicht erklärt werden. Deshalb führten wir durch die Mittel des Gänseblümchen-Voerde e.V. unterstützt wieder eine Vielzahl an DNA- Sequenzierungen an Tumormaterial durch, um neue Mutationen zu identifizieren. Hierbei konnten wir eine interessante Entdeckung machen. Und zwar scheint es ein charakteristisches Muster genetischer Ereignisse zu geben, das einen guten Verlauf vorhersieht, egal welche Art Lebertumor und welche klinischen Risikofaktoren vorliegen. Wir bezeichnen diesen Tumortyp als „klassisches Hepatoblastom“ (Abb. links). Kommen hingegen spezielle Veränderungen in sogenannten Wächtergenen hinzu (z.B. MSH6), die über die Unversehrtheit der Erbsubstanz wachen, so verändert sich das Erbgut derart massiv, dass diese Tumoren mit einer schlechten
Prognose einhergehen und als „Hochrisiko-Hepatoblastom“ bezeichnet werden (Abb. Mitte).

Unsere Forschungsarbeit über unseren Therapieansatz mit den beiden Wirkstoffen JQ1 und MLN8273, die wir experimentell ja bereits im Vorjahr abgeschlossen hatten, wurde gerade heute unter Nennung der finanziellen Unterstützung des Gänseblümchen-Voerde e.V. bei der onkologischen Fachzeitschrift International Journal of Oncology zum Druck angenommen. Ein neuer therapeutischer Ansatz, den wir seit letztem Jahr verfolgen, zielt auf sogenannte epigenetische Veränderungen ab, die also über die genetischen Veränderungen hinausgehen. Hierbei haben wir verschiedene neue Inhibitoren ausgetestet und wurden bei einem fündig. PTC-209 hemmt einen speziellen epigenetischen Proteinkomplex und ist in der Lage, das Tumorzellwachstum von Hepatoblastomen enorm zu hemmen, insbesondere beim sog. Langzeitüberleben (Abb. rechts). Der programmierte Zelltod scheint hierbei auch eine wichtige Rolle zu spielen, was erste Proteinanalysen belegen.

Ausblick

Für das Jahr 2019 wollen wir die Gelder des Gänseblümchen-Voerde e.V. zum einen wieder für die Sequenzierung weiterer Tumorproben verwenden, um unseren Verdacht einer genetischen Ursache für den schlechten Verlauf mancher Hepatoblastompatienten zu erhärten. Hierbei wird es sich erstmals auch um Patienten der internationalen PHITT-Therapiestudie handeln, die dieses Jahr in Deutschland beginnen wird. Zum anderen wollen wir den neuen Inhibitor PTC-209 weiter auf sein Potenzial als Wirkstoff zur Behandlung von Lebertumoren untersuchen. Das enge Zusammenspiel von Klinikern und Forschern in unserem Hause ist dazu in einer einzigartigen Weise prädestiniert und gewährt so die bestmöglichen Chancen auf eine Verbesserung der Behandlung von Kindern mit einem Hepatoblastom.

 

 

 

 

 

Prof. Dr. R. Kappler

Unterstützung der Leberkrebsforschung

Seit 2010 unterstützt unser Verein die Hepatoblastomforschung (Leberkrebsforschung) für krebskranke Kinder, die ihren Sitz in München im Haunerschen Kinderspital hat.

Beim Besuch in München konnte der Vorsitzende Tobias Modrzejewski einen Scheck für die Forschung in Höhe von 15.000,- Euro an den Leiter der Kinderchirurgie, Prof. Dr. Dietrich von Schweinitz, sowie an den Leiter der Forschung, Prof. Dr. Roland Kappler überreichen. Seit 2010 konnten wir über 100.000,- Euro in die Forschung investieren. Auch dank unserer Unterstützung konnten neue Erkenntnisse gewonnen werden, die ab 2017 in einer internationalen Studie mit verwendet werden. Die Studie soll helfen, für die betroffenen Kinder bessere Heilungsmethoden zu entwickeln sowie die Nebenwirkungen weiter zu minimieren. Der Sitz der Studie in Deutschland soll im Haunerschen Kinderspital bei Prof. Dr. Roland Kappler sein. Die Studie ist auf 5 Jahre erstmal begrenzt. Als Dank für die langjährige Unterstützung überreichten Prof. Dr. Roland Kappler und Prof. Dr. Dietrich von Schweinitz dem Vorsitzenden Tobias Modrzejewski eine Dankesurkunde.